CSD 2011 Rückblick

Der  Christopher Street Day (CSD) in Konstanz und Kreuzlingen (CH) 2011 hat wieder Zeichen gesetzt. Weltweit einzigartig fand der CSD am See am 16.07.2011 wiederholt grenzüberschreitend statt und versammelte sexuelle Minderheiten aus der gesamten Bodenseeregion, aber auch weit darüber hinaus, um gesellschaftliche Akzeptanz einzufordern und unter dem diesjährigen Motto “Trau’ Dich” gegen Abgrenzung, Ausgrenzung und Grenzen überhaupt zu demonstrieren.

Eine schwüle Sommerhitze lag in der Luft, als sich am Bärenplatz in Kreuzlingen (CH) die CSD-Parade am späten Vormittag in Bewegung setzte und CSD-Vorstand Stefan Baier den Startschuss in einen bunten Tag unter der Regenbogenflagge setzte.

Zahlreiche Prominenz, darunter Ross Antony und dessen Partner Paul Reeves sowie Lorielle London oder auch die Züricher Autorin Sandra Wöhe, gab auf dem geschmückten CSD-Leitwagen den zum Auftakt bereits mehreren hundert Teilnehmern Geleit.

War die Kreuzlinger Bevölkerung noch im Jahr 2009 eher irritiert, so war die Irritation vielfach bereits der Neugierde, vielleicht sogar dem Verständnis für die Thematik gewichen. In den Straßencafés in der Kreuzlinger Hauptstraße wurde die Parade jedenfalls bereits gespannt erwartet.

Der Grenzübertritt wurde sodann kurzfristig fußläufig durch die Prominenz unter Beethovens Ode an die Freude zelebriert und bildete den symbolhaften Kern des bunten Zuges.

Die CSD-Demonstrationsparade nahm danach ihre weitere Route am historischen Konstanzer Schnetztor vorbei, über die Obere Laube und gesäumt von unzähligen Besuchern durch die Niederburg und die Konstanzer Altstadt, wobei die Teilnehmerzahl stetig bis in die Tausende wuchs. Immer mehr Personen reihten sich ein und folgten der Parade auf die Konstanzer Marktstätte zur zentralen CSD-Kundgebung, wo durch Stefan Baier der Forderungskatalog verlesen wurde.

Es zählt zur Grenzenlosigkeit und zur Barrierefreiheit des CSD am See, dass in den Demonstrationszug auch behinderte Mitmenschen integriert wurden sowie alle Rede-, aber auch Showbeiträge für Gehörlose durch einen Gebärdendolmetscher übersetzt wurden.

Ein buntes Fest unter dem Regenbogen wurde nachmittags im Stadtgarten direkt am Bodenseeufer gefeiert. Zahlreiche Bewirtungs-, Informations- und Verkaufsstände erwarteten die Teilnehmer nebst einem hochkarätigem Showprogramm auf der CSD-Bühne in der Konzertmuschel. Auch hier konnte die Bevölkerung ihren Stars begegnen. Es zeichnet das CSD-Stadtgartenfest aus, dass hier nicht ausschließlich die sexuellen Minderheiten einen bunten Nachmittag feiern, sondern von CSD zu CSD zunehmend die heterosexuelle Majorität aus Solidarität und auch aufgrund der enormen Zugwirkung der Veranstaltung in den Stadtgarten findet, ja damit die gesamte Bevölkerung Normalität lebt und gemeinsam ein Volksfest begeht.

Der herrliche Sonnenschein begleitete den Shownachmittag und nicht wenige verweilten viele Stunden zu den Programmbeiträgen der Konstanzer Lucky Ladies, von Frl. Wommy Wonder und der Tanzformation der Zackigen Zicken jeweils aus der Landeshauptstadt Stuttgart, der Band Natural Fake oder auch der Feuerperformance von Funkenflug, um nur einige zu nennen. Durch das Programm moderierte Schwester Daphne Sara Maria Sanguina Mater d’Or von den Schwestern der Perpetuellen Indulgenz (O.P.I. e.V.). Auch die Moderatorin aus dem CSD-Jahr 2009, Schwester Piccolettha, fand sich unter ihren Begleitern.

Neben dem Bundestagsabgeordneten der Grünen, Tim Seiler, sprach auch der baden-württembergische Landesminister Peter Friedrich (SPD) zu den Zuhörern. Beide Redner verwiesen u.a. auf ihre politischen Bemühungen, Homophobie entgegen zu wirken, die rechtliche Gleichstellung sexueller Minderheiten zu verwirklichen und auf die Errungenschaft, dass in Kürze die Standesämter auch gleichgeschlechtlichen Lebenspartnern geöffnet werden – hier bildete Baden-Württemberg unter der alten Landesregierung sozusagen die “rote Laterne”.

Für den leider zwingend verhinderten Schirmherrn, den Konstanzer Oberbürgermeister Horst Frank, sprach stellvertretend Bürgermeister Kurt Werner das Grusswort der Stadt Konstanz, welche schon während des kulturellen Vorwochenprogramms mit dem Rainbowflag etwa auf der Rheinbrücke Flagge für ihren CSD zeigte.

Auch das städtische Verwaltungsgebäude an der Konstanzer Laube wurde in eine übergroße Regenbogenflagge gehüllt.

Wie in den Vorjahren bestand überdies am frühen Abend das Angebot eines ökumenischen CSD-Gottesdienstes in der Lutherkirche am Lutherplatz.

Den fulminanten Schlusspunkt des CSD am See 2011 setzte schließlich die große CSD-Pride Passion Party im historischen Konstanzer Konzil mit vier Top-DJ’s, auf zwei Stockwerken und mit geöffneter Freiterrasse mit Blick auf den Bodensee.

Hier begeisterten auch die Starguests Ross Antony und Paul Reeves mit ihrem Showact, bevor wieder dancelastige Sounds auf die Dancefloors lockten. Der laue Sommerabend verlängerte sich damit bis in die tiefe Nacht.

Allen Teilnehmern wird der CSD am See 2011 nachhaltig in bester Erinnerung bleiben und viele werden bereits heute sehnsüchtig den turnusgemäß nächsten CSD im Jahre 2013 erwarten!

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