Grußwort Sabine Leutheusser-Schnarrenberger – CSD 2011

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger

Grußwort an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Christopher Street Day „Trau Dich“ in Konstanz am 16. Juli 2011 in Konstanz

Der Christopher Street Day ist seit jeher mehr als ein buntes Straßenfest. Er ist traditionell immer auch eine politische Veranstaltung, an der Schwule, Lesben und Transgender offen und stolz zeigen, dass sie ein aktiver Teil unserer Gesellschaft sind. Der Tag ist eine besondere Gelegenheit, um der Öffentlichkeit Vielfalt und Selbstbestimmung zu demonstrieren.

Der CSD ist damit ein guter Anlass für berechtigte Forderungen nach Gleichstellung und einem Ende der Diskriminierung sexueller Minderheiten. Auch wenn sich seit den ersten Christopher Street Day Paraden in Deutschland in den Siebzigerjahren auf diesem Gebiet bereits viel getan hat, der Weg ist noch lange nicht vollendet.

Als liberale Bundesjustizministerin freut es mich besonders, dass es möglich war, bei der rechtlichen Gleichstellung von Schwulen, Lesben und Transgendern entscheidende Fortschritte zu erreichen. Wir haben durchgesetzt, dass Lebenspartner bei Erbschaften und Schenkungen wie Ehegatten behandelt und Diskriminierungen im Beamtenrecht des Bundes beendet werden. Beim veralteten Transsexuellenrecht drängen wir auf die dringend notwendigen Modernisierungen. Auch das Adoptionsrecht ist zu reformieren, um gemeinsame Adoptionen durch Lebenspartner zu ermöglichen.

Mindestens genauso wichtig wie die rechtliche Gleichstellung ist die gesellschaftliche Gleichbehandlung durch Akzeptanz, Toleranz und Respekt. Um diese Entwicklung zu fördern, wird der Bund eine Stiftung schaffen, benannt nach Magnus Hirschfeld, dem mutigen Sexualwissenschaftler und Feindbild der Nationalsozialisten. Ziel dieser am Bundesministerium der Justiz angesiedelten Stiftung wird es sein, an Entrechtung undVerfolgung von Schwulen und Lesben durch die Nationalsozialisten zu erinnern und sich zugleich heute gegen Diskriminierung und für Toleranz einzusetzen. Die Gleichstellung von Schwulen, Lesben und Transgendern ist ein langwieriger Prozess. Der Einsatz für Minderheitenrechte war nie einfach und schnell. Erst 1994, während meiner ersten Amtszeit als Bundesjustizministerin, ist es gelungen, den historisch belasteten Straftatbestand des § 175 StGB aufzuheben. Viele Staaten tabuisieren und kriminalisieren Homosexualität bis heute. Der länder- und grenzübergreifende Charakter des Christopher Street Day in Konstanz und Kreuzlingen ist der richtige Ansatz, um Offenheit und Toleranz weltweit zu schaffen. Herzlichen Dank an all jene, die mit ihrem Engagement helfen, dieses Fest der Vielfalt, Toleranz und Lebensfreude zu organisieren.

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger,
MdB Bundesministerin der Justiz“

 

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